Auf die Stimme Gottes hören (Teil 1)
Oktober 8th, 2010„Saulus von Tarsus war unterwegs nach Damaskus, ‚schnaubte immer noch Drohungen und Mord gegen die Jünger des Herrn’, mit einem amtlichen Schreiben, das ihn ermächtigte, alle Christen in der Stadt zu verhaften und ins Gefängnis zu stecken (Apg 9,1.2). Nun, Sie und ich wissen, dass Jesus Sauls Reiseprogramm völlig auf den Kopf stellte, noch bevor die Stadt erreicht hatte – das blendende Licht, die Stimme vom Himmel, eine Komplettrenovierung seiner Weltsicht. Aber die Gläubigen in Damaskus wissen von alledem nichts. Sie sehen Sauls Ankunft voller Furcht entgegen. Da spricht Gott zu einem von ihnen, zu einem Mann namens Ananias. Er befiehlt ihm, in das Haus zu gehen, in dem Saulus sich befindet. Dort soll er Saul die Hände auflegen und für ihn beten. Verständlicherweise hält Ananias das für keine so gute Idee: ‚Herr, ich habe von vielen über diesen Mann gehört, wie viel Böses er deinen Heiligen in Jerusalem getan hat. Und hier hat er Vollmacht von den Hohepriestern, alle zu binden, die deinen Namen anrufen.’ (9,13 f) Es geht in Ordnung, sagt Gott, er ist jetzt mein Mann. Entgegen aller Vernunft geht Ananias hin und so kommt es, dass der große Völkerapostel Paulus die Bühne betritt.
Die Bibel ist voll von derartigen Direktiven Gottes, die jeder Vernunft zu widersprechen scheinen. Würden Sie einem Vater raten, seinen einzigen Sohn zu opfern, an dem die einzige Hoffnung hängt, dass er einmal Stammvater einer Nation wird (Anm.: Gen 22)?
Es war sicher nicht besonders weise von einem Flüchtling, in das Land zurückzukehren, indem er steckbrieflich wegen Mordes gesucht wurde; in ein Land, in dem seine Volksgenossen als Sklaven gehalten wurden; und dann auch noch geradewegs in den Palast des Pharao vorzudringen und dort die Freilassung der Sklaven zu fordern (Anm.: Exodus 4-5).
War es vernünftig, eine befestigte Stadt dadurch erobern zu wollen, dass man zu Posaunenklängen um sie herum marschiert (Anm.: Josua 6)?
Was ist daran weise, wenn man die eigene Armee kurz vor der Schlacht von 32.000 auf 300 Mann reduziert und den Rest nachhause schickt (Anm.: Richter 7)?
Es war in der Tat ein gefährlicher Rat, ein junges Mädchen ungebeten zum König zu beordert (Anm.:. Ester 5),
und noch gefährlicher war es, einen Knaben gegen einen kampferprobten Söldner ins Feld zu schicken (Anm.: 1 Sam 17).
Und schließlich musste es komplett wahnsinnig erscheinen, dass Jesus sich den Behörden stellte und aus freien Stücken töten ließ.
Irgendwo in einem versteckten Winkel unseres Herzens wünschen wir uns vermutlich alle, dass wir eine derartige Rolle spielen und von Gott in so dramatischer Weise eingesetzt werden. Um diese Rolle zu finden, reicht Weisheit nicht aus – sie wird uns im Gegenteil oft davor zurückhalten, den Willen Gottes zu erfüllen. Der besondere blinde Fleck der Kirche im vergangenen Jahrhundert bestand darin, die Vernunft über alles zu setzen. Das Ergebnis war ein Glaube, dem alles Übernatürliche abhandengekommen war; ein Christentum der guten Tipps und geistlichen Methoden. Dieses Leben nach gesundem Menschenverstand, von dem Oswald Chambers warnend gesagt hat, dass es der Feind des geistlichen Lebens ist. Viele Gemeinden und christliche Organisationen, die ich kennengelernt habe, treffen ihre Entscheidungen aufgrund von Nützlichkeitserwägungen und Prinzipien. Wir haben unsere Moral und wir haben unsere Regeln – aber wo bleibt da der lebendige Gott? Es wäre naiv, wenn wir unser Vertrauen allein auf die menschliche Vernunft setzen würden, und es würde uns in eine sehr gefährliche Lage bringen. Der einzige Ausweg aus dieser Zwickmühle: wir müssen uns an unseren Herrn halten, der uns vorangeht und der das Kommando hat, und von ihm lernen, unseren Weg mit Gott zu gehen.“
(John Eldredge, „Der ungezähmte Christ“, Brunnen-Verlag, Seiten 119-121)
